Braga & Santa Lucrécia – ein Ort, den ich seit 20 Jahren kenne. Ohne jemals dort gewesen zu sein.
Die schönste Zeit, am besten Ort, mit meinen liebsten Menschen
Über 20 Jahre lang kannte ich Santa Lucrécia nur aus Geschichten. Einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben kommt von hier, aus diesem kleinen Ort bei Braga im Norden Portugals. Ich habe so oft davon gehört, dass ich irgendwann dachte, ich kenne ihn. Diesen Sommer habe ich ihn zum ersten Mal betreten.
Casa da Teresa
Das Haus mit dem blauen Tor. Ich wusste genau, wie es aussieht, bevor ich davor stand. Und dann stand ich davor. Die Mauer, der Garten, das Tor. Und die Schaukel. Ich durfte das Grundstück besichtigen. Total emotional. An diesen Steinen hängen so viele Geschichten, so viele Erinnerungen eines Menschen, der mir viel bedeutet. Und jetzt stehe ich hier und habe plötzlich meine eigenen.
Fremd und doch bekannt
Das Verrückte daran: Ich war noch nie hier, aber es fühlte sich vertraut an. Ich kannte die Straßen nicht, aber die Atmosphäre, die kannte ich. Mir wurde über so viele Jahre so lebendig davon erzählt, dass ich diesen Ort längst in mir trug. Ihn jetzt in echt zu sehen, war trotzdem etwas ganz anderes. Die Geräusche, die Gerüche, die Hitze auf der Haut. Das kann dir niemand erzählen.
Das Essen
Francesinha: diese völlig überladene, mit Käse überbackene Sandwich-Bombe, die man mit Messer und Gabel isst und danach erst mal sitzen bleiben muss. Bifana, das simpelste Schweinefleisch-Brötchen der Welt, und trotzdem besser als alles, was ich kenne. Arroz de Cabidela, Reis mit einer Sauce, an die sich nicht jeder rantraut. Wer es wagt, wird belohnt.
Die besonderen Momente waren Papas de Sarrabulho und Farinhato. Gerichte, die ich nicht von der Karte kannte. Jemand am Tisch sagte: "Probier das." Ich habe probiert. Und danach wollte ich mehr.
Gerês, der Rio und Lagos dos Cisnes
Gerês ist riesig. Ein ganzer Nationalpark, und wir hatten bestes Wetter. Wobei das beste Wetter in diesem Land ohnehin der Normalzustand zu sein scheint. Irgendwann hört man auf, sich darüber zu wundern, dass die Sonne scheint.
Oder einfach am Rio um die Ecke einen Tag verbringen. Natur pur. Nichts geplant, nichts organisiert. Einfach da sein.
Lagos dos Cisnes dann abends. Musik, gutes Essen, Lagerfeuer, gute Gespräche. An einem Abend sind wir zufällig in ein Live-Event geraten: Lichterregen, Feuerwerk, eine Luxus-Hochzeit nebenan. Dazu Sumol Ananás. Mein Getränk dieses Urlaubs. Ich habe es an jeder Ecke getrunken.
Porto und der Nebel am Strand
Porto ist knapp 50 Minuten entfernt. Auf dem Weg dorthin haben wir am Strand etwas erlebt, das ich so noch nie gesehen hatte. Ein Nebelstreifen, nur wenige Meter hoch, der sich kilometerlang am Strand entlangzog. Von Weitem dachte ich, es wäre ein Feuer. Dann standen wir mittendrin. Und wurden nass. Überall Tropfen, auf der Haut, in den Haaren. Kein Regen.
Das Phänomen heißt Advektionsnebel. Es entsteht, wenn warme, feuchte Luft vom Atlantik über das kalte Küstenwasser der portugiesischen Westküste strömt. Die Luft kühlt dabei so schnell ab, dass die Feuchtigkeit sofort kondensiert, direkt über dem Boden, oft nur wenige Meter hoch. Man steht buchstäblich in einer Wolke, die sich flach über den Strand legt, während ein paar Meter weiter strahlend blauer Himmel ist. An der Nordküste Portugals passiert das im Sommer regelmäßig, weil der kalte Kanarenstrom das Küstenwasser stark herunterkühlt. Für die Einheimischen ist das Alltag. Für mich war es komplett surreal.
Cafezinho für 70 Cent
An jeder Ecke, jeder Tankstelle, jedem Kiosk, jeder Bäckerei: ein perfekter Espresso. 70 Cent. Keine Extras, keine Fragen, kein Theater. Einfach ein kleiner, starker, heißer Kaffee. Für 70 Cent. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele es waren.
Sameiro und Bom Jesus do Monte
Sameiro mit seinem Ausblick und seiner Ruhe. Und Bom Jesus do Monte mit den berühmten Treppen. Die Wanderung hoch lohnt sich. Jede einzelne Stufe. Oben steht man da, schaut über Braga, und versteht, warum Leute seit Jahrhunderten hier hochlaufen.
Was bleibt
Ich habe diesen Ort über 20 Jahre lang nur aus Geschichten gekannt. Santa Lucrécia war für mich immer real, nur eben nicht greifbar. Jetzt ist es das. Ich war dort. Und ich fühle mich diesem Ort jetzt noch viel mehr verbunden als vorher.
Die schönste Zeit, am besten Ort, mit meinen liebsten Menschen. Danke Su!