Injera im Belgischen Viertel – äthiopisch-eritreisch und wirklich anders
Essen mit den Händen – und das ist genau so gemeint
Ein Freund hatte das Injera im Belgischen Viertel schon mehrmals erwähnt. "Du musst da hin – aber komm mit Hunger und ohne Vorurteile." Das klang nach einer dieser Empfehlungen, die man erst mal schiebt, bis man es dann doch macht und hinterher denkt: warum nicht früher.
Das Belgische Viertel ist sowieso ein gutes Pflaster für Entdeckungen. Kleines Restaurant, keine Hochglanz-Schaufenster-Optik – einfach reinsetzen und schauen, was kommt. Der Tisch war mit einem großen runden Fladenbrot bedeckt: dem Injera selbst. Das Essen kommt oben drauf. Besteck gibt es keins. Was erstmal seltsam wirkt, wird nach dem ersten Bissen zum naheliegendsten Konzept der Welt.
Man reißt ein Stück des Injeras ab, rollt etwas vom Linseneintopf oder dem Ziegen-Wat hinein, isst. Teilt. Reißt wieder ab. Das hat etwas sehr Direktes, sehr Verbindendes – man isst nicht nebeneinander, man isst wirklich gemeinsam, aus einer Schüssel. Das vergisst man nicht so schnell.
Die Aromen waren für mich komplettes Neuland. Berbere-Gewürzmischung, leicht scharf, tief und rauchig. Niter Kibbeh, ein gewürztes Butterfett, das den Gerichten diese besondere Tiefe gibt. Man isst und denkt: Das ist eine Küche, in die man einsinkt. Man möchte verstehen, was da alles drinsteckt.
Mein Freund hatte recht. Ich bin seitdem mehr als einmal wiedergegangen – und das Injera hat sich bei mir in die kurze Liste der Restaurants eingetragen, bei denen ich kurz innehalten würde, wenn ich in der Nähe bin und Zeit habe.