Nur wenn du falsch machst, weißt du was richtig ist
Über den Unterschied zwischen wissen und verstanden haben
Ich habe mal ein Projekt gegen die Wand gefahren, weil ich dachte, ich wüsste es besser. Kein Kollege konnte mir was sagen, kein Hinweis war laut genug. Ich hatte einen Plan, und der Plan war gut – zumindest in meinem Kopf. Das Ergebnis war eine mittlere Katastrophe, ein unangenehmes Gespräch mit dem Chef und drei Wochen Aufräumarbeit.
Das war vor Jahren. Ich denke heute noch daran. Nicht weil es so schlimm war, sondern weil ich in diesen drei Wochen mehr gelernt habe als in den zwei Jahren davor.
Theorie ist bequem
Wir lesen Bücher über Führung und glauben, wir können führen. Wir schauen YouTube-Videos über Produktivität und fühlen uns produktiv. Wir nicken bei klugen Zitaten und denken, wir hätten etwas verstanden. Haben wir nicht. Wir haben es nur gehört.
Verstehen passiert erst, wenn du selbst drin steckst. Wenn der schöne Plan an der Realität zerschellt und du mit den Scherben dasitzt. Dann – in genau dem Moment – lernst du, was in keinem Ratgeber steht: wie es sich anfühlt, falsch zu liegen. Und warum das kein Weltuntergang ist.
Mein Problem mit Fehlerkultur
In Unternehmen wird über „Fehlerkultur" geredet, als wäre das ein Feature, das man einschalten kann. Folie 14 in der Townhall-Präsentation, irgendwo zwischen „agiles Mindset" und „wir sind wie eine Familie". Meistens hört die Fehlerkultur da auf, wo der erste echte Fehler passiert.
Ich habe in Teams gearbeitet, in denen Fehler tatsächlich okay waren. Nicht gefeiert, nicht beklatscht – aber auch nicht bestraft. Der Unterschied ist spürbar. Du traust dich, Dinge auszuprobieren. Du sagst ehrlich, wenn etwas nicht funktioniert hat. Und du lernst schneller, weil du nicht die Hälfte deiner Energie darauf verwendest, Fehler zu verstecken.
Falsch liegt daneben, nicht am Ende
Das Ärgerliche an Fehlern: Sie fühlen sich im Moment immer endgültig an. Ich hab's verbockt, jetzt ist alles aus. Aber wenn ich ehrlich zurückschaue, war kein einziger meiner Fehler das Ende von irgendwas. Sie waren Umwege. Manche kurz, manche lang. Aber keiner war eine Sackgasse – außer ich hätte mich hingesetzt und aufgehört.
Die Entscheidung, die ich bereue, ist nie die falsche gewesen. Es war immer die, die ich aus Angst nicht getroffen habe. Der Job, auf den ich mich nicht beworben habe. Das Gespräch, das ich nicht geführt habe. Die Idee, die ich nicht ausprobiert habe, weil sie hätte schiefgehen können.
Schiefgehen ist kein Endpunkt. Stehenbleiben schon.