Unser Kalender ist kaputt
Warum zwei Römer mit Ego schuld an deinem Sommerreifen-Problem sind
Von O bis O. Von Ostern bis Oktober. So lautet die Faustregel für Sommerreifen. Kennt jeder. Bis man mal versucht rauszufinden, wann Ostern eigentlich ist.
Erster Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Ich will Reifen wechseln, nicht Mondphasen berechnen.
Aber es kommt noch besser: Unser gesamter Jahreskalender hängt an genau dieser Logik. Himmelfahrt ist 40 Tage nach Ostern. Pfingsten 50 Tage nach Ostern. Schulferien, Feiertage, Brückentage – alles getaktet nach dem ersten Sonntag, nach dem ersten Vollmond, nach Frühlingsanfang. Wer das mal sacken lässt, merkt: Unsere komplette Jahresplanung steht auf einem Fundament aus Kirchentradition und Astronomie.
Zwei Römer, zwei Egos
Die Monatsnamen fangen harmlos an: Januar, Februar, März, April. Dann kommt der Sommer. Juli ist nach Julius Cäsar benannt. August nach Kaiser Augustus. Beide wollten einen eigenen Monat – und zwar im Sommer, nicht im tristen November.
Das Problem: Damit wurden alle Monate dahinter um zwei Plätze verschoben. September kommt von "septem" – sieben. Ist aber der neunte Monat. Oktober von "octo" – acht. Ist der zehnte. November, Dezember – das gleiche Spiel. Die Nummerierung stimmt seit über zweitausend Jahren nicht mehr, weil zwei Römer sich im Kalender verewigen wollten.
Warum der Februar so kurz ist
28 Tage. Manchmal 29. Während jeder andere Monat 30 oder 31 bekommt. Das hat einen Grund: Das römische Jahr begann ursprünglich im März – passend zum Frühling, eigentlich logisch. Februar war der letzte Monat im Jahr, der Resteverwerter. Was an Tagen übrig blieb, landete dort.
Dann wurde der Jahresanfang irgendwann auf den Januar verlegt. Begründung: Im Winter ist nichts los, da kann man auch gleich die Verwaltung neu starten. Seitdem feiern wir Silvester mitten in der dunkelsten Jahreszeit, statt mit dem Frühling ins neue Jahr zu gehen.
13 Monate wären besser
Es gäbe ein System, das aufgeht: 13 Monate mit jeweils 28 Tagen. Sind 364 Tage. Der eine übrige Tag wird ein universeller Feiertag – der Jahreswechseltag, keinem Monat zugeordnet.
In diesem Kalender wäre jeder Monatserste ein Montag. Jeder Monatsletzt ein Sonntag. Kein Nachschauen mehr, auf welchen Wochentag ein Datum fällt. Die Mondphasen würden synchron laufen. Sogar der durchschnittliche Menstruationszyklus von 28 Tagen würde exakt in einen Monat passen.
Stattdessen haben wir Monate mit 28, 29, 30 oder 31 Tagen. Eine Nummerierung, die seit der Antike falsch ist. Und einen Oster-Algorithmus, für den man eigentlich einen Astronomie-Abschluss bräuchte. Unser Kalender funktioniert – aber nur, weil sich alle daran gewöhnt haben. Nicht, weil er Sinn ergibt.